Mitgliederversammlung des Trägerverbundes

Sehr geehrte Damen und Herren,

Format und Inhalt der Mitgliederversammlung standen wiederum unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie. Auf den öffentlichen Teil mit dem geplanten Gastvortrag von Verkehrssenator Dr. Tjarks „Lebendige Innenstadt – Maßnahmen zur Belebung der Innenstadt“ musste erneut verzichtet werden. Die Veranstaltung soll möglichst im späten Frühjahr nachgeholt werden.

Im Mittelpunkt der Versammlung standen der Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden Jean Jaques de Chapeaurouge, Satzungsänderungen sowie die turnusmäßige Neuwahl des Vorstandes.

In seinem Rechenschaftsbericht stellte der Vorsitzende zunächst mit großer Genugtuung fest, dass die Innenstädte mittlerweile politisch und gesellschaftlich auf der Tagesordnung stünden; Entwicklung und Zukunft der Innenstädte seien auf der politischen Agenda auf Bundes- und Länderebene, in den Städten ohnehin, weit nach vorne gerückt. In dieses Gesamtbild füge sich nahtlos die Tatsache ein, dass die Befassung mit der Hamburger Innenstadt in noch keinem Koalitionsvertrag einen so breiten Raum eingenommen habe wie in dem aktuellen, und dabei seien die im Koalitionsvertrag genannten Vorhaben sogar haushaltsrechtlich unterfüttert.

Getrübt werde die Freude darüber allerdings durch das Unbehagen über die Vielstimmigkeit der angebotenen Heilmittel: von der autofreien oder zumindest autoarmen Innenstadt über die 15-Minuten-Stadt bis zu Gedankenspielen über einen bürokratischen Überbau der Innenstadtentwicklung sei alles vertreten.

Der Trägerverbund sehe es als seine Aufgabe an, jenseits aktueller Aufgeregtheiten Ordnung in die Debatte zu bringen, indem er sich mit der langen Erfahrung seiner Mitglieder einbringe – vorwärtsgewandt als die Diskussion prägender Partner und Anstoßer der Politik. Sein Bild der Innenstadt sei im Wesentlichen durch folgende Funktionen geprägt:
 

  • Sie ist Kulmination der Metropole, zu der jedem jederzeit der Zugang sicherzustellen ist. Die Funktionen sind vielfältig.
  • Die Innenstadt ist Identität, ist kulturelles, soziologisches, wirtschaftliches Zentrum.
  • Sie ist geprägt von Begegnungen, Einzelhandel, den hunderttausenden Arbeitsplätzen, Gastronomie, Kultur, den Kirchen, also von Funktionen, die unser Sein als Mensch unterstreichen.
  • Künftig wird sie auch wieder Wohnort werden.

De Chapeaurouge unterstrich, dass der Trägerverbund dem Bedeutungswandel des Themas Verkehr, das aus vielfältigen Gründen deutlich an Gewicht gewonnen habe, Rechnung getragen habe, indem er frühzeitig nach der Senats-Neubildung das Gespräch mit dem Senator für Verkehr und Mobilitätswende, Dr. Anjes Tjarks, aufgenommen und in einem kontinuierliche Gesprächskontakt fortgesetzt habe. Vorläufiger Höhepunkt dieses keineswegs konfliktfreien, aber stets konstruktiven Dialogs sei am 28. Oktober letzten Jahres ein 2 ½-stündiger Workshop „Stadtverkehr“, mit Senator Dr. Tjarks gewesen. „Beide Seiten gehen aufeinander zu und versuchen, das Verständnis für die jeweiligen Zwänge zu wecken. Wir lernen voneinander“ (de Chapeaurouge). Die strategischen politischen Ziele des Senators, den Straßenraum anders zu verteilen und die mit dem Auto gefahrenen Wegstrecken zugunsten von ÖPNV und Fahrrad zu reduzieren, werde man nicht grundsätzlich erschüttern können. Aber die Erreichbarkeit der Innenstadt mit allen Verkehrsmitteln, und zwar eine Erreichbarkeit, die nicht einem Hindernisrennen gleiche, stelle der Trägerverbund nicht zur Disposition. Zwischen diesen Flanken gebe es Gestaltungsspielräume, die der Trägerverbund auslote und in Angriff nehme. Dabei seien folgende Ziele von herausragender Bedeutung:
 

  • Die Erarbeitung eines dynamischen Parkleitsystems, das den automobilen Verkehr Richtung Innenstadt rechtzeitig empfängt und auf freie Parkplätze leitet.
  • Eine Baustellenkoordination, die die von vielen Verkehrsteilnehmern als Baustellenchaos und Abriegelung der Innenstadt empfundene Straßenverkehrslage ablöst.
  • Die Versöhnung von Verkehrsmaßnahmen mit Stadtgestaltung. Jede Reduzierung von Flächen für den fließenden und ruhenden Verkehr muss zwingend einhergehen mit der Aufwertung des öffentlichen Raums. Verkehrs- und Stadtentwicklungsbehörde müssen auf diesem Feld eng zusammenarbeiten.
  • Eine innerstädtische Ringbuslinie, die die innerstädtischen Quartiere einschließlich der HafenCity miteinander verbindet. Diese Ringlinie soll den bisherigen Linienbusverkehr ersetzen, nicht ergänzen. Sie soll sich schon äußerlich von den konventionellen Bussen unterscheiden und im Idealfall kostenlos sein.

Den Wortlaut des Tätigkeitsberichts können Sie auf der Homepage des Trägerverbundes demnächst einsehen.

Im weiteren Verlauf der Mitgliederversammlung stimmten die Anwesenden den vorgeschlagenen Satzungsänderungen einstimmig zu. Mit diesen Satzungsänderungen wurde die Möglichkeit geschaffen, künftig Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen auch virtuell oder teilvirtuell durchzuführen.

Die nach Ablauf der 2-jährigen Amtszeit turnusmäßig durchzuführenden Vorstandswahlen ergaben – bei jeweiliger Enthaltung der Betroffenen – einstimmige Ergebnisse. Gewählt wurden
 

  • Jean Jaques de Chapeaurouge, Gutrufhaus-Gesellschaft (1. Vorsitzender)
  • Mathias Bach, Kontorhausverwaltung Bach (stv. Vorsitzender)
  • Nicole Unger, NCU Immobilienkonzept (stv. Vorsitzende)
  • Dennis Barth, PROCOM Invest
  • Lars Braun, BRAUN Hamburg

Im weiteren Regularien-Teil der Mitgliederversammlung wurden die Rechnungslegung 2020 und der Bericht der Rechnungsprüfer zustimmend zur Kenntnis genommen. Vorstand und Geschäftsführung wurden einmütig entlastet. Dem Etat-Voranschlag 2021 wurde ebenfalls einstimmig zugestimmt.

Für das Rechnungsjahr 2021 wurden Dr. Sebastian Binger (Otto Wulff BID Gesellschaft) erneut und André Elbin (TECNO Beteiligungsgesellschaft) erstmals einstimmig zu Rechnungsprüfern gewählt

Mit freundlichen Grüßen
gez. Heinrich Grüter