Mitgliederversammlung des Trägerverbundes

Der interne Teil der diesjährigen Mitgliederversammlung stand im Zeichen eines einschneidenden Wechsels im Vorsitz des Trägerverbundes. Nach 35 Amtsjahren verabschiedete sich der Gründungsvorsitzende Ludwig Görtz.

Sein Wegbegleiter und Stellvertreter im Vorsitz, Günter Rudloff, würdigte das Wirken von Ludwig Görtz, das bleibende Spuren in der Innenstadt hinterlassen habe. So sei es seiner Initiative und seinem Beharrungsvermögen zu verdanken, dass zwischen der Wandelhalle des Hauptbahnhofs und der Spitalerstraße eine ebenerdige Verbindung anstelle des früheren unwirtlichen Tunnels geschaffen worden sei. Die Verengung des Glockengießerwalls, die von der Stadt zunächst strikt abgelehnt worden war und erst nach einem vorm Trägerverbund in Auftrag gegebenen Verkehrsgutachten realisiert wurde, ist als „Görtz-Nase“ in die Annalen eingegangen. Auch die Neuordnung des City-Hof-Quartiers nach einem Abriss der City-Hochhäuser erhielt die ersten Impulse durch ein Wettbewerbsverfahren, das der Trägerverbund auf Initiative von Ludwig Görtz durchführte. Günter Rudloff erinnerte auch daran, dass Ludwig Görtz früher als andere die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsquartiers Innenstadt in enger Abhängigkeit von der architektonischen und städtebaulichen Qualität des Stadtraums gesehen und damit dem Trägerverbund seine DNA aufgedrückt habe. Zum Abschluss seiner bewegenden Laudatio schlug Günter Rudloff der Mitgliederversammlung vor, Ludwig Görtz zum Ehrenvorsitzenden des Trägerverbundes zu wählen. Die Mitglieder stimmten diesem Vorschlag einstimmig zu.

In seinem letzten Rechenschaftsbericht hatte Ludwig Görtz zuvor eine kritische Bilanz der vom Senat zu Beginn der Legislaturperiode 2015 in Aussicht gestellten städtebaulichen Aufwertungen innerstädtischer Plätze und Wegeverbindungen gezogen. Das im Koalitionsvertrag formulierte „Platzprogramm“ stecke mit Ausnahme des Gerhart-Hauptmann-Platzes nicht einmal in der Planungsphase – von einer finanziellen Unterfütterung ganz zu schweigen. Dieses enttäuschende Fazit stelle die Mitwirkung des Trägerverbundes im Arbeitskreis Innenstadt auf eine harte Probe. Görtz forderte eine Neugewichtung bei der Vergabe von Mitteln für die Aufwertung und Pflege öffentlicher Räume zugunsten der Innenstadt. Die Innenstadt als Herz der Stadt und der Metropolregion sei die Visitenkarte Hamburgs und bedürfe nicht nur der verbalen, sondern dringend auch der finanziellen Zuwendung der Politik.

Der scheidende Vorsitzende warf auch einen Blick auf eine Reihe von Themen, mit denen sich der Trägerverbund im abgelaufenen Jahr befasst habe:

  • Anbindung der U5 an die Innenstadt
  • Gestaltung des Binnenalster-Ufers
  • Hauptbahnhof und Hauptbahnhof-Umfeld
  • Verkehr in der Mönckebergstraße
  • Gestaltung und Nutzung des Rathausmarktes
  • autofreies Rathausquartier
  • Verkehrskonzept der GRÜNEN für die Innenstadt
  • City-Logistik und – immer wieder – Plätze und Wegeverbindungen

Der Wortlaut des Tätigkeitsberichts des Vorsitzenden wird in die Homepage des Trägerverbundes eingestellt.

Bei der turnusmäßigen Neuwahl des Vorstandes wurde Jean Jaques de Chapeaurouge als Nachfolger von Ludwig Görtz einstimmig zum Vorsitzenden des Trägerverbundes gewählt. Mathias Bach und Günter Rudloff wurden in ihren Ämtern als stellvertretende Vorsitzende bestätigt. Neu in den Vorstand wurden Nicole Unger und Claus Handreke gewählt.

Nach der Wahl zum Vorsitzenden durch die Mitgliederversammlung gab Jean Jaques de Chapeaurouge bekannt, dass der Vorstand folgende Personen kooptieren werde:

  • Robert Aschpurwis
  • Dennis Barth
  • Lars Braun
  • Jan Christopher Kortüm
  • Jens Rupper

Im weiteren Regularien-Teil der Mitgliederversammlung wurden nach dem Bericht der Rechnungsprüfer Vorstand und Geschäftsführung einstimmig entlastet. Ebenfalls einstimmig verabschiedete die Mitgliederversammlung den EtatVoranschlag 2019. Die bisherigen Rechnungsprüfer Dr. Sebastian Binger und Torsten Gerke wurden einstimmig auch für das Rechnungsjahr 2019 gewählt.

Im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung hielt Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt, Präses der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen unter dem Titel „Innenstadtentwicklung – ein gemeinsames Projekt“ eine programmatische Rede, mit der sie einging auf die vom neuen Vorsitzenden Jean Jaques de Chapeaurouge in seiner Begrüßung formulierten Forderung : „Wenn die Innenstadt ihre gesellschaftliche Funktion als Identifikationsort, als Mitte des Gemeinwesens behalten soll, brauchen wir über den nach wie vor unverzichtbaren Einzelhandel hinaus eine größere Nutzungsvielfalt, mehr Abwechslungsreichtum, qualitätvoll gestaltete öffentliche Räume und deren kontinuierliche Pflege. Diese Aufgaben können – das dürfte auf der Hand liegen – die Privaten nicht allein übernehmen – auch nicht in Deutschlands BID-Hauptstadt Hamburg! Die Stadt ist gefordert. Die Privaten erwarten von der Politik die Einsicht in ihre gewachsene Verantwortung für die Stadtentwicklung und konsequentes, finanziell abgesichertes Handeln“. Senatorin Dr. Stapelfeldt benannte fünf Projekte, mit denen die Innenstadt gegenüber Veränderungen „resistenter“ gemacht werden solle:

„1. Mehr Aufenthaltsqualität und Raum für Fußgänger: Es soll in der Innenstadt ein Netz aus Flanierräumen entstehen, das die einzigartigen öffentlichen Plätze und Gewässer erschließt. Trägerverbund Projekt Innenstadt e.V. Vorsitzender: Jean Jaques de Chapeaurouge Kurze Mühren 1 · 20095 Hamburg Geschäftsführer: Heinrich Grüter Tel.: +49 172 40 200 87 Vereinsregisternummer: VR 10551 E-Mail: heinrich.grueter@traegerverbund-innenstadt.de www.traegerverbund-innenstadt.de

2. Hervorragende Erreichbarkeit und Vernetzung: Wir setzen auf die Priorität und den Ausbau des Umweltverbundes im öffentlichen Raum, damit der private, motorisierte Individualverkehr erheblich reduziert werden kann bei gleichzeitig effizienter und umweltfreundlicher Anlieferung. Für die Verbindung zwischen den einzelnen Quartieren braucht es innovative, kombinierte Lösungen. Wir arbeiten seit geraumer Zeit an einem Konzept, das bald fertiggestellt ist. Handlungsleitend muss doch sein, dass die Attraktivität der Innenstadt gesteigert wird, Verkehre gebündelt werden und daraus Freiräume entstehen. Wir wollen den ÖPNV ausbauen, den Takt verdichten, den Hauptbahnhof umgestalten – dazu brauchen wir auch die Busverkehre auf der Mönckebergstraße und der Steinstraße. Und wir wollen die Autos in die Parkhäuser leiten.

3. Nutzungsvielfalt und mehr Wohnen: Die Innenstadt bietet schon jetzt Raum für Wohnen, für Gastronomie und für vielfältige Kulturen. Um das öffentliche Leben auch abends weiter zu fördern, soll das Wohnen bei neuen Projekten auch weiterhin eingefordert und durchgesetzt werden – einschließlich der erforderlichen Folgeeinrichtungen wie Kitas oder Spielplätze.

4. Eine grüne Innenstadt: Die Begrünung des Stadtraums und der Plätze ist ein wesentlicher Aspekt der Gestaltung der zukünftigen Innenstadt. Vitale grüne öffentliche Orte und Inseln der Erholung, der Ruhe und Entschleunigung sind für Beschäftigte und Besucher gleichermaßen wichtig und haben obendrein positive klimatische Wirkungen.

5. Eine gemeinschaftliche Entwicklung: Die Beteiligten müssen den gesellschaftlichen und ökonomischen Wandel miteinander aktiv und innovativ gestalten. Mehr Aufenthaltsqualität ist nur zu erreichen im Zusammenwirken von Wirtschafts- und Handelsunternehmen, Grundeigentümern, Investoren und Projektentwicklern, Kulturschaffenden, Bildungsinstitutionen und bürgerschaftlichen Initiativen.“

Damit verknüpfte sie das Versprechen, sich im Senat dafür einzusetzen, zur Verbesserung des Gesamtbereichs Innenstadt für den Zeitraum der kommenden 5 bis 10 Jahre im Haushalt der Freien und Hansestadt Hamburg die Summe von 50 Millionen Euro anzusetzen.

Der Wortlaut der mit großem Beifall aufgenommenen Rede ist dieser Information beigefügt.

gez. Heinrich Grüter