Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt

Sperrfrist: Redebeginn
Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr de Chapeaurouge, sehr geehrter Herr Görtz, sehr geehrter Herr Grüter, sehr geehrte Mitglieder des Trägerverbunds Projekt Innenstadt, meine sehr verehrten Damen und Herren,

sehr gern habe ich die Einladung angenommen, vor Ihnen zum Thema „Innenstadtentwicklung – ein gemeinsames Projekt“ zu sprechen.

Aber zu Beginn habe ich ein anderes Anliegen.

Lieber Herr Görtz,
ich möchte mich herzlich bei Ihnen für Ihre 35- jährige Tätigkeit als 1. Vorsitzender des Trägerverbunds Projekt Innenstadt bedanken. Sie haben sich über ein Dritteljahrhundert hinweg für Hamburg und dabei besonders für die Belange des Handels eingesetzt. Selbstverständlich steht Ihr Name insbesondere in Hamburg mit dem 1875 gegründeten Schuhhaus in Verbindung.

Aber Ihr persönliches Thema war immer die Stadtgestaltung. Als besonderes Beispiel Ihres Engagements möchte ich die fast schon legendäre „Görtz-Nase“ vor dem Hauptbahnhof nennen. Mit der Initiative der oberirdischen Anbindung vom Hauptbahnhof kommend über den Glockengießerwall in die Spitaler Straße ist eine neue Freiraumqualität gelungen, und die Besucherinnen und Besucher mussten nicht mehr den Tunnel nutzen.

Sehr geehrter Herr Görtz, ich wünsche Ihnen für Ihr künftiges Leben alles Gute und hoffe, Sie bleiben, auch wenn Sie Ihr Amt niedergelegt haben, engagiert für Hamburg!

Sehr geehrter Herr de Chapeaurouge, ich gratuliere Ihnen zum neuen Amt, wünsche Ihnen viel Erfolg und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit.

Meine Damen und Herren,
es könnte keinen besseren Übergang als das Stichwort „Engagement“ zum Thema „Innenstadtentwicklung – ein gemeinsames Projekt“ geben. Denn Engagement braucht Hamburgs Innenstadt, um ihren Stellenwert als wichtigsten Identitätsträger unserer Stadt neben dem Hafen zu sichern.

Aufbauend auf dem Innenstadtkonzept von 2014 pflegen wir die Nutzungsmischung aus Arbeitsstätten, Wohnen, Handel, Kultur und Orten der Stadtdemokratie. Dieser Mix prägt den Charakter der Innenstadt und bestimmt auch Hamburgs Attraktivität als Kern der Metropolregion. Die Entwicklung des Überseequartiers in der HafenCity wird diese Attraktivität noch steigern.

Senat, Bürgerschaft sowie den vielfältigen Dienststellen der Stadt kommt bei der Innenstadtentwicklung eine bedeutende Rolle und besondere Verantwortung zu.

Sie wünschen sich – so habe ich Sie verstanden – einen Beauftragten auf der Ebene des Senats. Ich verstehe, dass Sie einen Ansprechpartner für alle Angelegenheiten, ob gegenüber dem Bezirksamt oder allen Fachbehörden, haben möchten. Das kann ich gut nachvollziehen.

Lassen Sie mich zu Beginn unsere grundlegenden Überlegungen skizzieren.

Der Einzelhandel in Hamburgs Innenstadt sieht sich einer massiven Konkurrenzsituation durch den Online-Handel ausgesetzt. Betroffen sind hiervon in erster Linie die Kernsortimente der Innenstadt, also etwa Bekleidung, Schuhe, Bücher und Elektronik, aber zu erwarten ist, dass dieses Wachstum anhält und sich mittelfristig auch auf Waren des täglichen Bedarfs, insbesondere Lebensmittel ausweitet.

Das mag man begrüßen oder beklagen – die zugrunde liegende Digitalisierung des Alltags ist ein gesellschaftlicher Trend, der staatlicherseits weder aufzuhalten noch grundlegend zu beeinflussen ist. Wir haben uns auf der Ebene von zwei Fachministerkonferenzen mit der Frage auseinandergesetzt, ob es Instrumente gibt, z. B. auf der Ebene der Bauleitplanung, um den Konsequenzen des Online-Handels entgegenzuwirken – bislang ohne Ergebnis. Das finde ich nicht gut, deswegen werden wir uns mit dem Thema neu befassen.

Gegenstrategien gibt es seitens der Anbieter viele – ein für jedes Unternehmen und für alle Sortimente geeignetes Patentrezept gibt es nicht. Vielfach erscheint eine Neuausrichtung der Geschäftsmodelle für den stationären Handel unabdingbar. Die Nutzung eines Online-Vertriebskanals ist für die meisten Innenstadthändler schon heute selbstverständlich. Das allein wird jedoch nicht ausreichen.

Entscheidend wird sein, die Bandbreite der innerstädtischen Erdgeschossnutzungen zu erweitern und somit die Abhängigkeit der Geschäftslagen vom „Shopping“ als Besuchsmotivation zu reduzieren, und ich persönlich finde, dass Ihre Stärke die Qualität der Kundenberatung und die Dienstleistungsorientierung ist, die Sie nutzen sollten. Hamburgs Innenstadt ist stark und attraktiv genug, um zusätzliche Anlässe für einen Besuch der Innenstadt zu generieren und eine noch höhere Bandbreite von Aktivitäten zu unterstützen – also Freizeit, Erlebnis, Kultur, Genuss und Unterhaltung und Genuss.

Hier liegt die zentrale Aufgabe in der Entwicklung spannender und wirtschaftlicher Nutzungskombinationen.

Es geht auch darum, das Alleinstellungsmerkmal des Standorts Innenstadt noch stärker zu nutzen und sichtbar zu machen. Dazu kann eine noch stärkere Vernetzung und gemeinsame Vermarktung der Beteiligten beitragen. Die Innenstadt als Ganzes muss resistenter gegenüber Veränderungen werden.

Lassen Sie mich, bevor ich zu den konkreten Projekten komme, fünf Ziele benennen, die wir auf diesem Weg verfolgen.

  1. Mehr Aufenthaltsqualität und Raum für Fußgänger: Es soll in der Innenstadt ein Netz aus Flanierräumen entstehen, das die einzigartigen öffentlichen Plätze und Gewässer erschließt.
  2. Hervorragende Erreichbarkeit und Vernetzung: Wir setzen auf die Priorität und den Ausbau des Umweltverbundes im öffentlichen Raum, damit der private, motorisierte Individualverkehr erheblich reduziert werden kann bei gleichzeitig effizienter und umweltfreundlicher Anlieferung. Für die Verbindung zwischen den einzelnen Quartieren braucht es innovative, kombinierte Lösungen. Wir arbeiten seit geraumer Zeit an einem Konzept, das bald fertiggestellt ist. Handlungsleitend muss doch sein, dass die Attraktivität der Innenstadt gesteigert wird, Verkehre gebündelt werden und daraus Freiräume entstehen. Wir wollen den ÖPNV ausbauen, den Takt verdichten, den Hauptbahnhof umgestalten – dazu brauchen wir auch die Busverkehre auf der Mönckebergstraße und der Steinstraße. Und wir wollen die Autos in die Parkhäuser leiten.
  3. Nutzungsvielfalt und mehr Wohnen: Die Innenstadt bietet schon jetzt Raum für Wohnen, für Gastronomie und für vielfältige Kulturen. Um das öffentliche Leben auch abends weiter zu fördern, soll das Wohnen bei neuen Projekten auch weiterhin eingefordert und durchgesetzt werden – einschließlich der erforderlichen Folgeeinrichtungen wie Kitas oder Spielplätze.
  4. Eine grüne Innenstadt: Die Begrünung des Stadtraums und der Plätze ist ein wesentlicher Aspekt der Gestaltung der zukünftigen Innenstadt. Vitale grüne öffentliche Orte und Inseln der Erholung, der Ruhe und Entschleunigung sind für Beschäftigte und Besucher gleichermaßen wichtig und haben obendrein positive klimatische Wirkungen.
  5. Eine gemeinschaftliche Entwicklung: Die Beteiligten müssen den gesellschaftlichen und ökonomischen Wandel miteinander aktiv und innovativ gestalten. Mehr Aufenthaltsqualität ist nur zu erreichen im Zusammenwirken von Wirtschafts- und Handelsunternehmen, Grundeigentümern, Investoren und Projektentwicklern, Kulturschaffenden, Bildungsinstitutionen und bürgerschaftlichen Initiativen.

Dies, meine Damen und Herren, sind die grundlegenden Ansatzpunkte unserer Politik für die Innenstadt unter der Devise: „Wir schaffen Platz für alle.“

Wie soll das umgesetzt werden?

Unsere ehrgeizigen Ziele erreichen wir nur, wenn wir uns nach Kräften engagieren – auch finanziell.

Das heißt: Ich werde mich im Senat dafür einsetzen, dass wir zur Verbesserung des Gesamtbereichs Innenstadt für den Zeitraum der kommenden fünf bis zehn Jahre im Haushalt der Freien und Hansestadt Hamburg die Summe von 50 Millionen Euro ansetzen.

Damit haben Sie das Commitment, nach dem Sie völlig nachvollziehbar verlangt haben. Es zeigt, wie wichtig uns Hamburgs Herz ist und wie viel wir dafür tun, damit es auch künftig kräftig schlägt.

Lassen Sie mich nun auf konkrete Punkte eingehen.

Wir nutzen die große Chance einer Innenstadterweiterung durch die Verlagerung der Hafenareale zwischen Grasbrook und Elbbrücken zur Entwicklung der HafenCity und damit die Möglichkeit, Hamburg als maritimen Standort weiterzuentwickeln und neue innerstädtische Wohnorte, Arbeitsstätten und attraktive Plätze zur Erholung und zum Flanieren zu schaffen.

Seit fast drei Jahrzehnten wird die Elbkante als neue Stadtlage am Wasser gestaltet und in hoher Qualität entwickelt. Teil dieser Innenstadterweiterung ist es, einen starken und über den Stadtteil hinaus wirksamen Einzelhandelsschwerpunkt zu entwickeln.

Diese geplante Entwicklung des südlichen Überseequartiers in der HafenCity hat bei Ihnen Befürchtungen ausgelöst. Befürchtungen, dass die im neuen Stand der Planung erheblich gesteigerte Verkaufsfläche negative Auswirkungen auf die Einkaufslagen der City haben könnte.

Dies haben Sie mir während unseres ersten Zusammentreffens mitgeteilt, nachdem ich gerade die spannende Aufgabe als Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen übernommen hatte.

Im Lauf unseres gemeinsamen Gesprächs wurde die Idee geboren, den Arbeitskreis Innenstadt ins Leben zu rufen. Seitdem treten regelmäßig unter Federführung der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen Vertreter des Vorstands des Trägerverbunds, der Business-Improvement-Districts, der Handelskammer und der Verwaltung in den Dialog.

Damit besteht erstmals ein Gremium zum regelmäßigen Austausch über die Entwicklung der Innenstadt, das mit hochrangigen Innenstadtakteuren und städtischen Vertretern aus der Leitungsebene besetzt ist.

Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen hat für diesen Zweck und den sich daraus ergebenden Aufgaben eine neue Stelle geschaffen. Für alle Beteiligten hat dies den großen Vorteil, dass auf beiden Seiten kompetente Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Das führt zu mehr Transparenz über die städtischen Projekte und die damit verbundenen Entscheidungen sowie im Ergebnis zu einem höheren Grad der Beteiligung.

Ich wünsche mir, dass bald die Ergebnisse unserer gemeinsamen Gespräche im Stadtbild ablesbar sind, denn es ist unser erklärtes Ziel, eine Aufwertung von Plätzen und Wegeverbindungen in der Innenstadt zu erreichen, so wie es auch das Arbeitsprogramm des Senats vorsieht. Im Arbeitskreis Innenstadt ist deutlich geworden, dass dem durch den Online-Handel geprägten Strukturwandel des Einzelhandels und anderen die Innenstadt prägenden Faktoren und Funktionen ein sehr viel größerer Stellenwert für die Zukunft der Innenstadt zugewiesen werden muss.

Oder, um Herrn Görtz zu zitieren: „Die City muss schneller und innovativer werden.“ Eine moderne Innenstadt muss, wie bereits angedeutet, mit einer starken Funktionsmischung und perfekten Präsentation ihrer selbst durch Charakter, Erscheinungsbild und Kundenfreundlichkeit jeden Besuch zum Ereignis machen.

Vor allem die Plätze sollten umgestaltet und mit einer höheren Aufenthaltsqualität versehen werden. Die Umgestaltung des Gerhart-Hauptmann-Platzes und des Ida-Ehre-Platzes gehen auf eine Initiative des Arbeitskreises Innenstadt zurück.

Als Folge der Beratungen im Arbeitskreis Innenstadt wurde ein Gutachten zur behutsamen Umgestaltung des Gerhart-Hauptmann-Platzes vom Büro WES abgeschlossen. Herr Prof. Wehberg hat seinen ursprünglichen Entwurf von 1973 überarbeitet.

Aus Mitteln des mit insgesamt 10 Millionen Euro ausgestatteten „Sanierungsprogramms Hamburger Plätze“ wurden für die Umgestaltung des Gerhart-Hauptmann-Platzes und des Ida-Ehre -Platzes rund 1,1 Millionen Euro von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen zur Verfügung gestellt. Hier sind auch die Gelder für die vom Oberbaudirektor gewünschten Lichtbänder im Boden entlang des Flanierbereichs enthalten.

Baubeginn wird im kommenden Jahr sein – leider nicht früher, denn nach Auskunft des Bezirksamts ging nach der Ausschreibung nur ein einziges Angebot für die Umsetzung der Baumaßnahme ein. Daran kam man sehr gut ablesen, wie ausgelastet das Baugewerbe in unserer Stadt ist – auch mit diesen Bedingungen müssen wir umgehen.

Stichwort Rathausmarkt, der zentrale Ort der Stadtrepublik Hamburg, ein sowohl geografisch als auch im Bewusstsein vieler Hamburgerinnen und Hamburger zentraler Ort der Stadt.

Nach wie vor auf der Agenda steht die Umgestaltung der Arkaden, auch wenn noch eine Reihe von Fragen zu klären ist.

Was die Sanierung der Arkaden auf dem Rathausmarkt angeht, die ebenfalls auf eine gemeinsame Initiative des Arbeitskreises zurückgeht, so rechnet die Sprinkenhof GmbH mit einer anderthalbjährigen Bauzeit für die Erneuerung der Glaselemente im Dach, wofür nach einer Kostenschätzung von diesem Frühjahr 3,3 Millionen Euro veranschlagt sind. Diese Sanierung der denkmalgeschützten Arkadendächer ist wegen der potenziellen Gefahr, die von ihnen ausgeht, unverzichtbar. Die Nutzungen der Pavillons sollen sukzessive je nach Laufzeit der Mietverträge ab 2022 geändert werden.

Schon jetzt verbessert hat sich der Reinigungs- und Pflegezustand auf dem Rathausmarkt und im Bereich der Kleinen Alster.

Stichwort neue Wohnungen in der Innenstadt: In diesem Punkt gibt es bereits viele Veränderungen in der Innenstadt. Äußerlich ist dies gut an den vielen Baustellen zu erkennen.

Wir wollen künftig eine stärkere Durchmischung der Innenstadt mit Wohnen. Kurze Wege zu Angeboten und Einrichtungen machen das Wohnen in zentralen Lagen attraktiv. Zusätzlicher Wohnraum in der Innenstadt mit Ausnahme der HafenCity kann allerdings nicht mit dem einen „großen Wurf“ gelingen, sondern wird sich auf viele kleine Schritte beschränken müssen. Zumal Wohnen immer in Konkurrenz zu anderen renditestarken Nutzungen steht, wie etwa Büroflächen.

Im Kerngebiet ist Wohnungsbau ausnahmsweise zulässig. Durch die Änderung des Baustufenplans Innenstadt 2011 in den Bebauungsplan Hamburg Altstadt 47/Neustadt 49 sind in den nun als Kerngebiet ausgewiesenen Gebieten innerhalb des Wallrings alle Nutzungen zulässig, die eine lebendige Innenstadt ermöglichen. Ausnahmsweise sind bis zu 35 Prozent Wohnungen möglich.

Meine Damen und Herren, ich gestehe: Das Thema Wohnen liegt mir besonders am Herzen. Zum einen, weil der Hamburger Wohnungsmarkt nach wie vor angespannt ist, zum anderen aber auch, weil Innenstadt-Wohnen dazu beitragen kann, die City noch lebendiger und damit auch attraktiver zu gestalten.

Viele wichtige Projekte in der Innenstadt enthalten Wohnungsbau-Anteile. Ich möchte hier das Projekt um die Katharinenkirche mit 120 Wohnungen erwähnen, aber auch das Commerzbank-Areal mit 151 Wohnungen.

Daneben sind in den Stadthöfen 90 Wohneinheiten vorgesehen, am Großen Burstah/Neue Burg 63 Wohnungen, am Schaarsteinweg 45 Mietwohnungen, im Deutschlandhaus 30 Wohnungen, im Hamburger Hof 20, im Springerquartier 53 Mietwohnungen sowie im Quartier am Klosterwall, das nun Johann-Kontor heißt, rund 130 Wohnungen und eine Kindertagesstätte.

Insgesamt enthalten neuere Wohnprojekte in der Innenstadt ca. 700 Wohneinheiten.

Die Innenstadt soll ihre Anziehungskraft für Besucherinnen und Besucher nicht nur erhalten, sondern ihr Potenzial noch intensiver nutzen. Ihr Angebot soll sich an alle Hamburgerinnen und Hamburger sowie an Touristen richten. Sie soll Anreize zum Besuch und Aufenthaltsqualität bieten für Menschen, die einkaufen wollen, die nach interessanter Gastronomie suchen, die hier ihren Arbeitsplatz haben oder hier wohnen.

Auf diesem Weg ist es ein wesentliches Ziel, den öffentlichen Raum von der Altstadt über die Neustadt bis zur HafenCity zu verbinden. Dabei geht es um die Verknüpfung mit der HafenCity, die „In-Wert-Setzung“ der inneren Verbindungen zur Binnenalster und die Neufassung der Verknüpfung mit dem Wallring und den angrenzenden Stadtteilen.

Stichwort Domachse: Die HafenCity GmbH hatte gemeinsam mit dem Vorhabenträger ein Gutachten zu „Perspektiven zur Entwicklung der Domachse als zentrale Verbindung zwischen bestehender Innenstadt und Überseequartier“ beauftragt, die auf der Grundlage eines ausführlichen Analyseteils erste Handlungsempfehlungen für die städtebauliche und verkehrliche Stärkung des Stadtraums ausspricht.

Dabei wurden vor allem die erdgeschossigen Lauflagen in den Blick genommen. Der Abschlussbericht aus dem Jahr 2016 wurde im Arbeitskreis Innenstadt vorgestellt und dort 2017 und 2018 weiter diskutiert. Wir werden das Thema in der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen weiter bewegen.

Die Aufenthaltsqualität soll als planerische Zielsetzung auch zum Beispiel auf der Achse Lange und Kurze Mühren, Georgsplatz und Brandsende verbessert werden. Hierzu liegt vom Büro WES eine Gestaltungsstudie vor, die im Arbeitskreis Innenstadt erörtert und auf Wunsch des Oberbaudirektors leicht modifiziert wurde. Wie wir gegebenenfalls Mittel dafür bereitstellen können, werden wir im Rahmen der Fortsetzung der Aufwertung öffentlicher Räume prüfen.

Ebenso spricht vieles dafür, die Straßen Gertrudenkirchhof und Lilienstraße als Fußgängerzone einzurichten, was diesen Bereich aufwerten und beleben kann, beispielsweise durch Außengastronomie. Hierzu sind wir im Gespräch mit der Bezirksverwaltung und den zuständigen Behörden.

An einem Ort haben wir bereits sehr hohe Qualitätsanforderungen auf internationalem Niveau für den Aufenthalt mit dem Bau der NiederhafenRiver-Promenade von Zaha Hadid erfüllt. Ich finde, darauf dürfen wir ruhig mit ein wenig Stolz blicken.

So wie uns Hamburgs jahrhundertealte Geschichte mit Stolz erfüllen kann, wie sie sich uns am Hopfenmarkt darbietet. Die archäologischen Ausgrabungen dort haben wertvolle stadthistorische Entdeckungen gezeitigt, die uns einen faszinierenden Blick auf Hamburgs alten Burgwall eröffnen.

Es gibt Ideen zu einem „Archäologischen Fenster Neue Burg“ als kleines Museum auf dem Hopfenmarkt Beispielhaft haben wir uns von einem Archäologischen Fenster bei einer Exkursion nach Posen ein Bild machen können. Derzeit wird unter inhaltlichen und Kostengesichtspunkten diskutiert, für welche Umsetzung wir uns entscheiden, zum Beispiel im Zuge der Neuordnung des Hopfenmarkts, für den ein zweiphasiger Realisierungswettbewerb geplant ist.

Fest steht für mich, dass es einen angemessenen, würdigen Umgang mit Hamburgs mittelalterlichem Erbe geben wird – und mittelfristig eine Attraktion mehr in Hamburgs Mitte.

Kommen wir zur Studie Binnenalster. Sie behandelt das Entwicklungspotenzial der Uferbereiche der Hamburger Binnenalster für eine öffentlich nutzbare Zugänglichkeit – ein sensibles Thema, denn das notwenmdfig der Hamburger Binnenalster hat für die Stadt Hamburg eine große Bedeutung. Der Alsterlauf prägt Hamburg, insbesondere die innere Stadt. Seine besondere Anziehungskraft für Stadtbewohner wie Touristen erzeugt schon heute einen sehr hohen Nutzungsdruck auf den seit 2005 neu gestalteten Jungfernstieg. Derzeit überarbeitet das Gutachterbüro WES den bisherigen Stand, um Inhalte aus der öffentlichen Podiumsdiskussion vom 26. August dieses Jahres zu berücksichtigen.

Erwähnen möchte ich auch die Neugestaltung Ballindamm und Neuer Jungfernstieg. Die Planung von Bezirk und BWVI sieht eine Reduzierung der Fahrbahnbreiten und eine Verbreiterung der Gehwegflächen vor. Ziel ist unter anderem die Ansiedlung von Außengastronomie entlang der Erdgeschosszone am Ballindamm. Außerdem sind am Ballindamm Neupflanzungen von Bäumen auf dem Mittelstreifen und entlang des Ferdinandstors geplant. Weiterhin sollen Beleuchtung und Sitzmobiliar erneuert werden. Am Ballindamm werden die Maßnahmen vom BID Ballindamm sowie aus Bundesmitteln kofinanziert.

Lassen Sie mich nun auf einige weitere Einzelprojekte eingehen.

Es geht um die Umgestaltung des Hauptbahnhofs, die dringend notwendig ist. Dazu gibt es eine Machbarkeitsstudie zur Erweiterung des Hauptbahnhofs vom Januar 2019, in Auftrag gegeben von der Deutschen Bahn. Es geht um statische Konzepte, und im Anschluss ist ein städtebaulich-architektonischer Ideenwettbewerb geplant. Dabei sollen städtebauliche, freiraumplanerische und architektonische Vorstellungen für die Erweiterungsbauten und deren Einbettung in das Umfeld unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes entwickelt werden.

Darüber hinaus wird es ein Beteiligungsverfahren geben, das einige Monate dauern wird.

Zum Quartier am Klosterwall: Der Entwurf des Hamburger Architekturbüros KPW wird ab 2020 mit leicht reduzierter Baumasse gegenüber dem Wettbewerbsstand realisiert. Der Entwurf bietet die Chance, die historische Kante der Innenstadt räumlich wieder herzustellen und somit an diesem wichtigen Ort dem Stadtgrundriss der Innenstadt mehr Prägnanz und historische Identität zu verleihen.

Die historische Situation hat sich vor Ort durch den Bau der HafenCity, des Deichtorcenters und des Spiegelgebäudes gewandelt und wird sich auch in Zukunft noch weiter verändern. Es werden zunehmend mehr Fußgänger erwartet, die sich zwischen der Mönckebergstraße und der HafenCity bewegen.

Dies verlangt insbesondere für den Johanniswall und für den Klosterwall eine Aufwertung der Erdgeschosszonen.

Und damit kommen wir zum Burchardplatz. Inmitten des Kontorhausviertels, im Welterbe, ein Platz, der dringend verändert und von Stellplätzen entlastet werden muss. Damit kann die Qualität des öffentlichen Raumes in diesem Bereich deutlich gesteigert und das Welterbe erheblich aufgewertet werden.

Der Neubau des Quartiers am Klosterwall wird dem Stadtraum in diesem Bereich einen spürbaren Impuls für die Entwicklung zwischen Altstadt und HafenCity verleihen und für das Kontorhausviertel einen erheblichen Gewinn an Gestaltungsraum und Aufenthaltsqualität mit sich bringen.

Eine Reihe weiterer Projekte befinden sich in Planung oder Umsetzung, so zum Beispiel

  • neue Querungsmöglichkeiten für die Willy-Brandt-Straße am Meßberg, an der Domstraße und am Kleinen Burstah. Wir wollen dazu zeitnah Ideenskizzen zu den durch die Querungsuntersuchungen betroffenen Freiräumen einholen, um mit einer überzeugenden und 10 für die breite Bevölkerung nachvollziehbaren grafischen Darstellung der Stadträume in die Beteiligung zu gehen. Dazu ist eine Informationsveranstaltung geplant.
  • Ferner ist die attraktive gestalterische Aufwertung des Alten Walls vorgesehen, wofür die Stadt eine Million Euro einsetzt. Der Siegerentwurf des freiraumplanerischen Werkstattverfahrens aus dem vergangenen Jahr schließt zwei Skulpturen aus Bronze des international renommierten Künstlers Olafur Eliasson ein, die den öffentlichen Raum bereichern werden. Die Vorbereitungen dafür sind derzeit im Gange.

Einige dieser Projekte sind in Zusammenarbeit und finanzieller Mitwirkung von Stadt und privaten Akteuren wie den Business-ImprovementDistricts (BIDs) zustande gekommen.

Meine Damen und Herren,
dass sich das Erscheinungsbild in der Innenstadt seit 2005 in vielen Bereichen bereits gewandelt hat, geht insbesondere auf die erfolgreichen Business Improvement Districts zurück mit ihren hochwertigen Pflasterungen oder neuen Stadtmöbeln wie Bänken und Beleuchtungen, die zurückhaltend und mit großer Sorgfalt neu gestaltet wurden. Große Teile der innerstädtischen Geschäftslagen wurden dadurch geschmackvoll aufgewertet und verfügen jetzt über ein einladendes und elegantes Erscheinungsbild.

Aber es geht nicht nur um Gestaltungsmerkmale. Die Umsetzung des BID-Instruments in Hamburg zeichnet sich insbesondere durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und den privaten Beteiligten aus.

Für diese erfolgreiche Zusammenarbeit und für die sichtbare Erneuerung und Verschönerung der Innenstadt danke ich allen Eigentümern und BID-Beteiligten ganz herzlich.

Meine Damen und Herren,
zum Schluss möchte ich auf das Innenstadtkonzept als Impulsgeber für viele Veränderungen eingehen.

Im Frühjahr 2011 wurde der Entwurf des „Innenstadtkonzepts Hamburg 2010“ öffentlich präsentiert. Es gab einen intensiven Dialog mit der Öffentlichkeit. Der Trägerverbund Projekt Innenstadt e.V., vertreten durch Herrn Grüter, hat sich intensiv in den Prozess zur Überarbeitung des Innenstadtkonzepts eingebracht.

Der Senat hat es im September 2014 beschlossen, die Bürgerschaft 2015 Kenntnis genommen. Die zentralen Aussagen des Innenstadtkonzepts behalten weiterhin Gültigkeit und sollen entsprechend der sich wandelnden Anforderungen weiterentwickelt werden.

Zu den wesentlichen Punkten gehören

  1. die Stärkung der Verbindungsachsen zwischen Altstadt, Neustadt und HafenCity und im Zuge dessen auch die Verbesserung der fußläufigen Querungen der Willy-Brandt-Straße sowie die Erlebbarkeit des Wallrings als ersten grünen Ring mit den Kultureinrichtungen ringsum als „Perlenkette“;
  2. die Entwicklung der Innenstadt als Wohnort;
  3. die Stärkung der Einzelhandelslagen;
  4. die Festigung der Innenstadt als zentraler Dienstleistungsort;
  5. die Weiterentwicklung der Innenstadt zu einem Zentrum für Kultur, Begegnung und Bildung; und schließlich
  6. das Bewahren und die Profilierung der Gestaltqualität der Innenstadt.

Ich freue mich, dass nach unserem Gespräch am vergangenen Dienstag grundsätzlich Einigkeit besteht im Ziel, den öffentlichen Raum aufzuwerten. Nun geht es um die Umsetzung dieser Ziele, und ich freue mich darauf, dies mit Ihnen gemeinsam zu tun.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.